Tomaten gegen Kohlweißling - Experten-Lexikon
Definition
Der Kohlweißling (Pieris brassicae) ist ein Schmetterling, dessen Raupen Blätter von Kreuzblütlern (z. B. Kohl) fressen. Tomaten (Solanaceae) wirken als natürliche Barriere durch Geruchsstoffe (z. B. Tomatin) und locken Nützlinge an, die Raupen dezimieren.
Merkmale des Kohlweißlings
- Aussehen: Weiße Schmetterlinge (Flügelspannweite 5-6 cm) mit schwarzen Flecken (Weibchen: 2 Flecken; Männchen: 1 Fleck).
- Raupen: Gelbgrün mit schwarzen Punkten, bis 4 cm lang, fressen gierig Blattränder.
- Lebenszyklus: 2-3 Generationen/Jahr (Mai-Oktober); Überwinterung als Puppe.
- Bevorzugte Wirte: Alle Kohlarten, Raps, Kapuzinerkresse - nicht Tomaten (abschreckende Alkaloide).
Wirkmechanismus von Tomaten
- Geruchliche Abwehr: Tomatenblätter setzen Solanin und Tomatin frei, die Kohlweißlinge irritieren.
- Nützlingsförderung: Attraktiv für Schwebfliegen, Schlupfwespen und Laufkäfer (Fressfeinde der Raupen).
- Mischkultur-Effekt: Unterpflanzung mit Tomaten stört die Wirtsfindung der Falter durch Geruchsmaskierung.
- Bodenverbesserung: Tomatenwurzeln fördern Mykorrhiza-Pilze, die indirekt Pflanzenstärke erhöhen.
Profi-Tipps für die Praxis
Kombinieren Sie Tomaten direkt zwischen Kohlreihen (Abstand 30-40 cm) oder als Randbepflanzung. Ideal sind hochwachsende Sorten (z. B. ‘San Marzano') für Schattenwurf, der Falter zusätzlich abhält. Regelmäßiges Mulchen mit Tomatenstrünken nach der Ernte verstärkt den Effekt im Folgejahr. Setzen Sie junge Tomatenpflanzen 2-3 Wochen vor Kohl, um Geruchsbarriere früh zu etablieren.
Fehler, die Sie vermeiden sollten
1. Monokultur:Tomaten allein pflanzen bringt nichts - der Effekt entsteht nur durch räumliche Nähe zu Kohl. Mindestens 1 Tomatenpflanze pro 2 m Kohlreihe.
2. Falsche Sortenwahl:Ziertomaten oder starkwüchsige Sorten (z. B. ‘Cocktailtomaten') sind weniger wirksam. Bevorzugen Sie aromatische Sorten mit hohem Blattgeruch (z. B. ‘Brandywine').
3. Vernachlässigte Pflege:Vertrocknete Tomatenblätter verlieren ihre abschreckende Wirkung. Gießen Sie regelmäßig (morgens, ohne Blätter zu benetzen) und entfernen Sie unterste Blätter zur Belüftung.
4. Chemische Störungen:Pestizide (auch "Bio"-Sprays wie Neemöl) töten Nützlinge ab und untergraben den Tomaten-Effekt. Setzen Sie stattdessen Schlupfwespen (Cotesia glomerata) gezielt ein.
5. Zu späte Aussaat:Tomaten müssen vor dem ersten Falterflug (ab April/Mai) gepflanzt sein. Bei spätem Setzen (Juni) ist die Geruchsbarriere zu schwach.